Honda - Goldwing GL 1500

Einmal im Leben will ich eine GoldWing GL 1500 fahren – habe ich schon immer gedacht. Unbedingt die GL 1500, denn sie ist es die meist gemeint wird, wenn von einer GoldWing unter Laien die Rede ist.

Und dann habe ich den http://www.motorradhandel-limberg.de gefunden, die die Teile zu vernünftigen Preisen vermieten. Zwei Leute, die den Spagat zwischen Kumpelhaftigkeit und Sereosität perfekt hinbekommen! Man fühlt sich sehr gut aufgehoben und verstanden.

Aber zurück zum Thema – meine GoldWing für 1 Tag:

Das steht sie nun, vor mir, auf dem Seitenständer. Und ich damit vor meinem ersten Problem: wie entert man so ein Schiff auf stilvolle Art?

Ich hatte mir natürlich im Zuge der Vorfreude schon Gedanken darüber gemacht und gehe nun die Wing von der Seite an, fasse das linke Lenkerende mit der linken Hand und mache einen großen Schritt über die Sitzbank. Naja, stilvoll sieht wahrscheinlich anders aus. Als nächste Taktik habe ich, den Lenker mit beiden Händen zu fassen, dann den Oberkörper zum Lenker und das rechte Bein über den Sitz – sagen wir mal „schwingen“. Das klappt besser. Um es vorweg zu nehmen: das Absteigen gestaltet sich noch peinlicher (z.B. mit Hilfe der Hand das hängengebliebene Bein über die Sitzbank irgendwie ziehen).

Fazit: GoldWingfahrer sollten ein Mindestmass an Fitness haben.

Aber dann der große Moment: Starter drücken und irgendwas Faszinierendes erwacht unter mir. Dann die Kupplung ziehen und dann – und dann – und dann gibt es ein Klacken, das auch weiterhin jeden Schaltvorgang zum Erlebnis macht. Dieses satte Einrasten, unbeschreiblich. Ich ertappe mich später dabei, dass ich einfach mal so schalte, obwohl Alles! ab 50 km/h der 5. Gang macht. Irgendwann sehe ich die gelbe Lampe „OD“ und begreife dann auch mal, dass sie den 5. Gang anzeigt und nichts Schlimmes signalisiert. Schreck lass nach. Genauso wie ich mitbekomme, dass der Blinker, wie auch immer, automatisch ausgeht – geil!

Ich fahre nun zurück ins übernächste Dorf, um bei unserer Oma zu übernachten. Auf dem Hof habe ich dann auch die Gelegenheit, die Rückfahrhilfe zu benutzen, was doch irgenwie unspektakulärer und mit einem nicht GoldWing-likem Ruckeln und Schnarren anders vor sich geht, als ich es mir gedacht habe. Ich parke die Wing in der Garage und denke so: naja, schönes Mopped, mal mieten ist ganz schön, eigentlich habe ich aber nicht das „musst Haben“ Gefühl im Bauch.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Luckau, um Omas 45km/h-Auto in die Werkstatt zu bringen. Auf dem Rückweg in den Spreewald kommt Barbara nun in den Sofagenuss der Wing. So, wieder zurück, Frau bei Oma geparkt, nun kann es los gehen, das eigentliche Event. Ich fahre nach Burg/Spreewald und nehme dort gleich mal die Kurortroute unter die Räder. Burg ist ja die größte Gemeinde in Deutschland und entsprechend lang ist diese Ortsdurchquerung. Was soll ich sagen, die Familienväter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren – ich errege mit der Wing kaum Aufsehen.

Langsam werden die GoldWing und ich Freunde. Ich begreife, wann ich mal schalten und wie ich die Kurven angehen muss. Insgesamt doch fahraktiver als mit meinem Roller (der wiegt aber auch 200kg weniger). Mit dem Gewicht komme ich zusehens klar und geniesse immer mehr das Mysterium GoldWing. Brandenburgs Straßen haben nicht sooo viele Kurven, ich verfalle deshalb in den Cruisermodus so um die 80 km/h und geniesse die Landschaft und die Maschine. Es geht weiter über Straupitz, Briesensee, Märkisch Heide, Märkisch Buchholz nach Halbe. Dort mache ich einen Schwenk gen Süden, um „Tropical Islands“ einen Besuch abzustatten.

Mehr und mehr nehme ich das Motorrad in mich auf! Es ist ein Fahrgefühl, eigentlich unbeschreiblich. Mit welcher Leichtigkeit sich der Trumm durch die Kurven zirkeln lässt, die Schwingungen des Motors (Vibrationen kann man da einfach nicht sagen), die Sitzposition – einfach alles im Gesamten ein Erlebnis. Dazu Brandenburgs Straßen, die in meist langen, weiten Kurven den Genuß des Cruisens auf volle Kosten kommen lassen.

Zurück geht es über Lübbenau und wieder Straupitz nach Limberg. Leider habe ich nicht genügend Zeit, den Miettag voll auszuschöpfen. Nach etwas Fachsimpeln über einen Gebrauchtkauf gebe ich die GoldWing schweren Herzens zurück.

Nein, ich brauche nach wie vor keine GoldWing. Mein Roller, die Silverwing, deckt alle meine Bedürfnisse ab. Aber sobald ich das Geld in etwa übrig haben sollte, steht sie vorm Haus. Ich kanns logisch nicht erklären – aber es gibt da ein GoldWing-Gefühl.........

Lutz

   
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